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Multiplizität als ideenproduzierendes System

MAIS auf der Liverpool Biennale 2002

MAIS, der Gedanke einer internationalen Ausstellungsgemeinschaft, wurde zum bisher vierten Mal angewendet. 60 Kreative aus der ganzen Welt bespielten 30 Tage lang das gesamte Haus einer ehemaligen Handelsgesellschaft im historischen Zentrum der Stadt Liverpool. Eine Woche vor Ausstellungsbeginn trafen die Teilnehmer ein - und aufeinander. Die Heterogenität der Gruppe entsprach dabei der Heterogenität der Räumlichkeiten, und die Chance den Ort - entsprechend den jeweiligen Ansprüchen - völlig umgestalten zu können, wurde erkannt und wahrgenommen. Wände verschwanden, neue wurden aufgezogen. Es wurde gemauert und gezimmert, gemalt und gestaltet. Schöpferisches Niederreißen und Aufbauen vollzog sich auf vielschichtige Weise. Es gab Streit und Versöhnung, es wurde diskutiert, Pakte und sogar Frieden wurden geschlossen. Antipoden wurden mitunter zu Kongenialen. In diesem Fluidum der Differenz entstand schließlich das, was die Ausstellung in ihrer Erscheinung nach außen differenziert hat. Malerei verständigte sich mit Video, Objekte und Fotografie nahmen einander auf und in den Arm, und Installation diskutierte mit eigenwilligen Performances. Inneres Auseinanderentwickeln war demnach Voraussetzung für äußere Schlüssigkeit. Darüber hinaus stellte die Situation der anfänglichen Unfertigkeit eine wichtige Impulsenergie dar: Das Prinzip, künstlerische Wissensproduktion und kreatives Schaffensmoment der Atmosphäre sowie der zeitlichen und örtlichen Dimension zuzuordnen, erwies sich wieder einmal als konstruktiv. Vielfalt innerhalb der Vielzahl zeichnete für so manchen Einfall als verantwortlich. Dass der "schwarzweiße" Titel der Ausstellung dabei als Motto zur Makulatur werden musste, war allen Teilnehmern bewusst. Einer einfachen wie radikalen Formulierung liegt eine ironische Idee zugrunde. Dieser Idee inhaltlich zu entsprechen erscheint noch als möglich, sie auf den Prozess der Entstehungsphase anzuwenden hingegen als ausweglos. Niemand hätte anfangs gedacht, dass aus einem Ort der Leere so wirksam ein Raum der Vielfalt werden konnte. Entscheidend für das Resultat war jeder einzelne Kopf, der gleich einer Zelle ein Gewebe erst vitalisiert. Manche Zellen hyperplasieren dabei, das heißt sie vermehren sich durch Teilung, andere wiederum hypertrophieren, was bedeutet, dass sie bei gleich bleibender Anzahl nur ihr Volumen vermehren. Alle zusammen umgibt und verbindet die Matrix, über Zell-Zell-Kontakte wird solange kommuniziert, solange die Kanäle offen bleiben, die Kanäle untereinander und jene in die Umgebung. Diese Kommunikation ermöglicht erst die zielgerichtete Steuerung des gesamten Systems. Der Geist des Zulassens und Sicheinlassens bestimmte den Charakter der gesamten Ausstellung, der Gedanke MAIS wurde angewendet. Clemens Krauss